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Akuter Lehrermangel in Vorarlberg – wir vermissen aktive Bildungspolitik

Auf neue, qualifizierte Lehrer zu hoffen, wird nicht ausreichen.

Die Lehrer an den österreichischen Schulen haben 2016/17 insgesamt rund 5,3 Mio. bezahlte Überstunden geleistet. Das zeigt die Beantwortung unserer parlamentarischen Anfrage durch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Dafür wurden knapp 300 Mio. Euro ausbezahlt. Auch weitere überraschende Zahlen finden sich in der Anfragebeantwortung: So werden etwa im Pflichtschulbereich in Vorarlberg in absoluten Zahlen fast gleich viele bezahlte Überstunden geleistet wie im ungleich größeren Wien (365.000 in Vorarlberg, 375.000 in Wien). Hierbei sehe ich einen alarmierende Vorgang, dem aktiv entgegnet werden muss. Die Überstunden zeigen, dass schon jetzt keine Ersatzlehrer mehr verfügbar sind. Bei großen Krankheitswellen, wie beispielsweise zu Beginn des heurigen Jahres, sind Supplierstunden nur schwer bis gar nicht mehr möglich. Frau Landesrätin Schöbi-Fink vertraut auf dieselben Maßnahmen, die schon von der ehemaligen Landesrätin Mennel beworben wurden und keine Verbesserungen brachten. Ein Fahrplan für die nächsten Jahre fehlt komplett.

Angesichts dieser Situation wundert es mich sehr, dass Frau Landesrätin Schöbi-Fink nach wie vor optimistisch in die Zukunft sieht. Sie redet zwar selbst von einer Pensionierungswelle, hofft aber, dass nicht alle Lehrer bei Erreichung des Pensionsantrittsalters auch tatsächlich in Pension gehen. Zudem will man von Seiten der Landesregierung, notwendige Lehrer aus anderen Bundesländern oder dem Ausland akquirieren. Ob diese auch tatsächlich zu uns kommen, steht in den Sternen. Ich fordere eine klare Strategie in der Vorarlberger Bildungspolitik,  denn diese Politik nach dem Prinzip Hoffnung zeigt, dass wir hier im Land von einer strategischen und zukunftsorientierten Bildungspolitik noch weit entfernt sind.

Ich bin überzeugt, dass es ohne ein voll umfassendes Ausbildungspaket an der pädagogische Hochschule in Feldkirch nicht gehen wird. Viele Studierende tun sich das Pendeln zwischen Innsbruck und Feldkirch nicht an und – wenn es die finanziellen Möglichkeiten erlauben – studieren gleich in Tirol . Es ist leichter, Studierende die bereits hier studieren, auch hier im Land zu behalten. Aus diesem Grund muss das Fächerangebot an der Pädagogischen Hochschule deutlich erweitert werden. Zusätzlich braucht es für Studierende, die nicht in Vorarlberg studieren, Anreize, um wieder ins Land zurück zu kommen. Außerdem muss endlich ein offener Diskurs über die Bildungsstrukturen im Land geführt werden. Es muss nicht nur attraktiv sein, in Vorarlberg zu studieren, sondern auch, über Jahre an einem attraktiven Arbeitsort zu unterrichten.

– Sabine Scheffknecht