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(Aus-)Bildung 4.0 – Für eine Aufwertung der MINT-Fächer

Spät aber doch, hat die Bundesregierung erkannt, dass es in der Digitalisierung und damit verbunden auch in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz MINT) Aufholbedarf gibt. Schon vor 10 Jahren haben wir uns bei der Jungen Industrie zum ersten Mal intensiv mit dem Thema MINT befasst. Bereits damals hat sich der Mangel an MINT Absolventen deutlich abgezeichnet. Und schon damals war klar, Mitarbeiter mit guten Qualifikationen im MINT-Bereich sind und bleiben von enormer strategischer Bedeutung für die Unternehmen hier im Land. Zehn Jahre später ist das auch bei der Bundesregierung angekommen. Immerhin! – Könnte man sarkastisch sagen.

2009 führte die Industriellenvereinigung die erste Umfrage zum Thema MINT und Fachkräftemangel durch. Die letzte Umfrage 2015/2016 macht klar, dass sich seither an der Situation nur wenig verbessert hat.

Noch immer finden 8 von 10 Betrieben in diesem Bereich nicht die Fachkräfte, die sie dringend brauchen.

Mehr als jedes vierte Unternehmen hätte noch weitere MINT-Jobs vergeben können – fand aber keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern.

In den nächsten drei Jahren wird der größte Personalbedarf genau in den Bereichen erwartet, die am meisten mit Rekrutierungsproblemen zu kämpfen haben: Technik & Produktion, Forschung & Entwicklung.

Schaut man sich die Qualifikationen an, haben Absolventinnen und Absolventen aus dem technischen Bereich (also HTL, technische Fachhochschule bzw. Universität) auch in Zukunft die besten Jobchancen. Bis zu 56 Prozent der Unternehmen planen bei diesen Qualifikationen eine Personalerhöhung.

So die Ergebnisse der Studie. Die meisten dieser Punkte liegen seit langem auf dem Tisch. Getan wurde bisher wenig.

Umso erfreulicher ist es, dass jetzt auch die Regierung den Handlungsbedarf erkannt hat, und – zumindest auf dem Papier – im Hinblick auf die Schule 4.0 tätig werden will. Setzen die Verantwortlichen die angekündigten Maßnahmen wirklich um,  gehört das aus meiner Sicht sicher zu den positiven Aspekten des neuen Arbeitsprogramms, auch – und das sage ich ausdrücklich – wenn das Thema Bildung insgesamt leider nur mangelhaft abgebildet wurde.

Es gibt einige Forderungen, die wir NEOS von Beginn an in diesem Bereich hatten und zu denen wir im Parlament auch bereits entsprechende Anträge eingebracht haben. Wir sehen positiv, dass nun konkrete Schritte in Richtung vierter Kulturtechnik also der „Digitalen Bildung“ gesetzt werden. Es geht um den Erwerb und die Festigung digitaler Kompetenzen von Anfang an. Das heißt, dass bereits Kinder von klein auf, mit altersgerechten Übungen an dieses Thema herangeführt werden.

Außerdem muss mit der zunehmenden Digitalisierung auch das Thema Ethik mit berücksichtigt werden. Beschaffung seriöser Daten und Augenmerk auf sogenannte Fake News stehen hier im Mittelpunkt. Wie beuge ich Mobbing und Hasspostings vor? Und wie gehe ich als Schülerin oder Schüler damit um, wenn ich trotzdem davon betroffen bin? Der Schlüssel zum Erfolg ist zweifelsohne  die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Aus unserer Sicht muss in diesem Bereich deutlich mehr Druck gemacht werden.

Was die Finanzierung von leistungsstarken Internetanbindungen und Laptops bzw. Tablets betrifft bleiben wir eher skeptisch. Und dabei spreche ich nicht einmal nur von den Einmal- bzw. Anschaffungskosten, sondern vor allem auch vom laufenden Betrieb bzw. der Wartung und Servicierung. Schulen, die im Bereich Digitalisierung Vorreiter sind, sprechen von hohen dreistelligen bis vierstelligen Beträgen pro Monat!

 

Wir würden ein Unterrichtsfach „Digitale Kompetenzen“ und die Bereitstellung von digitalen Unterrichtsmittel begrüßen.

Klar muss dabei aber sein, dass das nicht zu Lasten von anderen Fächern sein darf, die jetzt schon zu kurz kommen. Und Eines ist aus meiner Sicht noch wichtiger: Die Kinder von ganz klein an für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. In diesem Bereich gibt es bereits ganz außergewöhnliche Projekte, die große Erfolge feiern.

Ich möchte nur auf 2 kurz und exemplarisch eingehen.

  1. Erstens: das „Haus der Kleinen Forscher“.

Ein Projekt, das in Deutschland bereits sehr bekannt und erfolgreich ist und auch in Österreich immer mehr Begeisterte findet. Der Fokus bei diesem Projekt liegt auf den ganz Kleinen im Kindergarten und in der Volksschule. Beim „Haus der kleinen Forscher“ werden Lehrkräfte geschult, wie sie das natürliche Interesse der Kinder an Natur und Technik altersgerecht fördern können. Solche Initiativen brauchen wir hier im Land. Und wir brauchen Lehrer, die diese Begeisterung vermitteln können.

  1. Die Initiative „Mint EC – Das nationale Excellence Netzwerk“

Wesentlichster Punkt ist hier die Lehrerförderung und –ausbildung. Es gehört aber auch zum Programm, dass interessierte und qualifizierte Schülerinnen und Schüler aus der Mittelschule oder dem Gymnasium sich selbst als Lehrer im MINT-Bereich, etwa bei Schülern aus der Volksschule, erproben. Gefördert werden auch kreative Werbeaktionen der Schulen für den MINT-Lehrerberuf. Es gibt universitäre Workshops zur Begleitung. Schüleraustausch-Aktionen bei denen die Schüler an Partnerschulen in die Aktivitäten im MINT-Bereich eingebunden werden. Und außerschulische Lernorte wie z.B. Schülerlabore, Wissenschaftsmuseen oder Firmen, bei denen das Gelernte ausprobiert werden kann.

Netzwerke werden aufgebaut und gepflegt – so gibt es eine Verschränkung zwischen der gelernten Theorie und der Praxis.

Diese Durchlässigkeit – auch was die Lehre betrifft – sprich die Möglichkeit, dass auch Praktiker unterrichten, gehört aus meiner Sicht dringend ausgebaut. Nicht nur, weil es immer weniger Lehrer in den MINT-Fächern gibt, sondern – und das ist das wichtigste – weil diese Menschen aus der Praxis den Schülern wieder ein positives Image von Naturwissenschaften und Technik, Mathe und Informatik mitgegeben können. Mathematik bleibt dann nicht länger ein Angstfach sondern ein Mittel, um Dinge zu erforschen. Etwas spannendes, etwas, das man brauchen kann und können will.

Es ist klar, das geht nicht von heute auf morgen, aber es gibt genug Vorzeigeprojekte und –schulen, die aufzeigen, wie es funktionieren kann.

Übernehmen wir solche Vorzeigemodelle hier bei uns im Land. Begeistern wir Jungen und vor allem auch Mädchen für Technik und Naturwissenschaften.