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Dauerbrenner Bildung – Was wir jetzt brauchen, ist Umsetzungskraft und Leadership!

Der Dauerbrenner Bildung wurde schon oft diskutiert – nicht selten auch sehr kontrovers und durchaus emotional.

Das ist auch kein Wunder – immerhin geht es nicht um irgendein Thema, sondern um DAS Zukunftsthema schlechthin. Für sehr viele andere wichtige Themen, die wir im Landesparlament debattieren – wie z.B. Integration, Beschäftigung, Mindestsicherung, Standortpolitik, Fachkräftemangel – ist die Bildung ein wesentlicher Schlüssel, ja ich bin sogar überzeugt, geradezu der Generalschlüssel zur Lösung der genannten Herausforderungen. Und wir werden daher auch nicht müde, das Thema auf die Tagesordnung zu bringen. Jüngst auch durch unsere dringlichen Anfrage „Dauerbrenner Bildung – es gibt noch viele offene Fragen!“

Worum geht es eigentlich? Es geht darum – und da führt, leider kein Weg vorbei, dass ich diese unangenehme Wahrheit ausspreche… Es geht darum, dass Vorarlberg in vielen schulischen Leistungsbereichen österreichweites Schlusslicht ist. Daher ist Vorarlberg in punkto Bildungsniveau oder auch Bildungserfolg im Österreichschnitt leider als unterdurchschnittlich zu bezeichnen. Und das ist keine Boshaftigkeit von mir, das ist eine Tatsache, die durch die Ergebnisse mehrerer Vergleichstestungen (Bildungsstandards, Zentralmatura) belegt ist. Die Aufmerksamkeit der Landesregierung gilt zu sehr dem Projekt der „Gemeinsamen Schule“ und zu wenig dem Fundament der Bildung, also dem Kindergarten und vor allem der Volksschule. Und ohne tragfähiges Fundament wackelt bekanntlich jedes Haus.

Unsere Landesrätin Bernadette Mennel, stellt sich ihre Wirklichkeit offenbar anders dar. Denn in Ihrer Beantwortung zu einer NEOS-Anfrage erklärte sie sehr, sehr ausführlich, was bereits alles getan wird – etwa im Bereich der frühen Förderungen, der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte, der Konzeption neuer Ideen und der Wissenschaftlichen Betrachtung von Bildung. Nur: Leider spiegeln sich die Bemühungen bislang nicht in den messbaren Ergebnissen wieder!

Bildungspolitik ist höchst komplex. Vor allem in einem Land wie Österreich, wo die rechtlichen Rahmenbedingungen – man denke nur an das Lehrerdienstrecht, die Finanzierungsströme, die Aufteilung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten – derart angelegt sind, dass man sich selbst im Wege steht. Echte Reformen sind in Österreich, wir haben es gerade wieder erlebt, kaum möglich.

Ich würde aber vielmehr endlich klären, was bei uns in Vorarlberg falsch läuft, dass wir im BESTEHENDEN System nicht mit den anderen Bundesländern mithalten können. Was läuft falsch, dass unsere Kinder offenbar weniger „gefördert und gefordert“ werden, als die Kinder anderer Bundesländer? Denn ich muss es einfach noch mal sagen: Alle Testungen belegen, dass es in Vorarlberg deutlich mehr schwache und deutlich weniger starke Schüler gibt, als in anderen Regionen. Und da ich nicht glauben kann, dass es an den Kindern liegt, muss es wohl an etwas anderem liegen. Aber woran?

Die Anfragebeantwortung listet sehr detailliert auf, was es alles schon gibt, was alles gemacht wird, um die Dinge zu verbessern – unter anderem investiert das Land ja immerhin viel zusätzliches Geld in das so genannte Volksschulpaket.

Nur leider, wie gesagt, bislang ohne messbaren Erfolg!

Natürlich brauchen Maßnahmen Zeit bis sie wirken. Aber lassen Sie mich einige Punkte anführen, um zu erklären, warum wir diese Argumentation nicht gelten lassen können:

  1. Die anderen Bundesländer haben auch kein Volksschulpaket, bringen aber dennoch im Schnitt deutlich bessere Leistungen.
  2. Vorarlberg war anscheinend vor langer, langer Zeit einmal echter Vorreiter. Vorarlberg sei in den goldenen 60-er Jahren, federführend gewesen – etwa in punkto Sprachheilpädagogik, Sprachförderung und Entwicklungsbeobachtung. Das ist erfreulich. Aber: Was ist aus diesem Vorsprung geworden? Und wo sehen wir heute die Erfolge dieser ehemaligen Vorreiterschaft?

Im Jahr 2005, also vor gut zehn Jahren, wurden von Frau Mennels Vorgänger LR Siegi Stemer unter dem Reihentitel „Bildungsland Vorarlberg“ die „Perspektiven der Bildungsplanung“ präsentiert. Im Jahr darauf folgte das „Kindergarten und Schulkonzept“, ein umfassendes Bildungskonzept mit vielen guten Ansätzen .

Da fragt man sich unwillkürlich, warum ist denn in den letzten zehn Jahren nicht genau das passiert? Warum wurde das nicht umgesetzt, was hier an guten Ideen zu Papier gebracht wurde?

Übrigens: Im Projektteam von damals waren federführend genau diejenigen Personen beteiligt, die heute für das Projekt „Schule der 10- bis 14-Jährigen verantwortlich zeichnen. Ich muss sagen, aus meiner Sicht ist das leider wenig vertrauensbildend – nicht hinsichtlich der Konzept- aber doch hinsichtlich der Umsetzungsstärke der betreffenden Personen.

  1. Selbst wenn es inzwischen unzählige Einzelmaßnahmen gibt – einige davon basieren wohl auf den genannten Konzepten – scheint offenbar das Zusammenspiel nicht derart zu funktionieren, dass sich der Erfolg im Form von guten Ergebnissen einstellt.

Da fragt sich unwillkürlich: Hat man hier zwischen all diesen Ideen, Konzepten, Evaluierungen, Initiativen und Maßnahmen den Überblick verloren? Wo ist der rote Faden, wo die konsequente Zusammenführung und Umsetzung all dieser Einzelaktionen?

Oder stellt sich der Erfolg nicht ein, weil man es einfach dem Zufall überlassen hat, ob und wie die vielen guten Ansätze und Ideen auch umgesetzt werden? Das würde auch erklären, warum es doch auch Schulen mit durchwegs guten Ergebnissen gibt. Hier wurde offenbar von engagierten Pädagogen sehr vieles richtig gemacht – aber nicht, weil das System das unterstützt hätte, sondern weil sich diese einfach selbst auf den Weg gemacht haben.

Zurückkommend auf die Tatsache, dass hier Forderungen und notwendige Maßnahmen schon seit über zehn Jahren auf dem Tisch liegen: „Frau Landesrätin, so leid es mir tut, aber das Argument, alles brauche seine Zeit, zieht daher leider nicht!“

Ich denke, die Zeit der Ausreden ist endgültig vorbei. Was wir jetzt brauchen, ist Umsetzungskraft und Leadership. 

Nein, es ist sicher kein Spaziergang. Es ist eine knallharte Management-Aufgabe, einen Karren, der offensichtlich im Dreck steckt, wieder flott zu machen. Aber genau das, ist die Aufgabe der Landesregierung. Daher mein Appell an Landesrätin Mennel, als Ressortverantwortliche:

  1. Verstecken Sie sich nicht hinter neuen Evaluierungen und Konzepten – es liegt schon sehr viel Sinnvolles auf dem Tisch. Jetzt geht es um die strukturierte und vor allem flächendeckende UMSETZUNG – gerade im Kindergarten und im Volksschulbereich!
  2. Wenn Sie schon Erhebungen in Auftrag geben: Seien Sie mutig und lassen Sie erheben, wo und warum es NICHT funktioniert und was dagegen zu tun ist!
  3. Seien Sie mutig und kommen Sie endlich ins TUN: Bestehen Sie zum Beispiel auf verpflichtender Fortbildung für Pädagoginnen und Pädagogen – und zwar nicht nach Belieben, sondern in genau jenen Bereichen, in denen es fehlt. Im Rahmen von so genannten Dienstbesprechungen an Schulstandorten etwa wäre dies, wie Sie selbst ausführen, durchaus möglich.
  4. Investieren Sie in die Ausbildung und Entlastung von Schulleiterinnen und Schulleitern. Sie können und sollen Vordenker, mutige Umsetzer und Multiplikatoren sein. Herausragende Beispiele, wie etwa die Volksschulen Ludesch oder Hard, zeigen, wie es funktionieren kann.
  5. Übernehmen Sie klar Führungsverantwortung – als Bildungslandesrätin obliegt Ihnen die Management- und damit auch die Ergebnisverantwortung für das wohl größte Vorarlberger Unternehmen, die Schule. Das ist Bürde und Chance zugleich. Auf alle Fälle führt kein Weg an dieser Verantwortung vorbei!
  6. Leben Sie allen Führungspersonen in der Vorarlberger Bildung vor, was Führungsverantwortung heißt: Lob und Wertschätzung, aber auch Konsequenz und Kontrolle. Fordern Sie von sich und anderen Ergebnisse ein – und keine Ausreden.

Unsere Kinder werden es Ihnen danken!