« Zurück zur Übersicht

Die Frauenpolitik der ÖVP ist aus dem letzten Jahrhundert

 Für mich ist es besonders ärgerlich, dass in Vorarlberg mit der „Herdprämie“ wieder einmal eine (Schein-)Debatte geführt wurde, um von den wesentlichen Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein mangelndes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen und der Teilzeitfalle mit dem Risiko der Altersarmut abzulenken.

Ich kenne keine einzige Frau, die gerne eine „Herdprämie“ bekommen möchte, zumal selten ein Begriff so diskriminierend ist wie dieser! Aber wie man’s macht, macht man’s falsch: Bleibt eine Frau bei den Kindern zu Hause, ist sie das Hausmütterchen und hütet – nein nicht die Kinder – sondern den Herd! – Geht eine Frau wieder arbeiten, ist sie die Rabenmutter, die nicht nur ihre Kinder vernachlässigt, sondern wahrscheinlich auch die Küche. Beides geht aber weit an der Wahrheit vorbei.

Außer schöner Worte und versprochenen „Prämien“ , hört man nach wie vor nur heiße Luft. Was gefragt ist, sind ideale Rahmenbedingungen für Familien. Und genau bei diesen Rahmenbedingungen gibt es in Vorarlberg und ganz speziell im Bregenzerwald aber auch anderen ländlichen Gegenden noch viel Aufholbedarf. Wer glaubt, dass EUR 300,- jemanden dazu bewegen können, die Kinder zu Hause zu betreuen oder eben auch nicht, der versteht weder etwas von Finanzen noch – und das ist viel entscheidender – etwas davon, wie Familien denken. In einer Familie ist das oberstes Gebot, dass es allen Beteiligten gut geht. Anders als andere Parteien, möchten wir NEOS aber niemandem vorschreiben, wie er zu leben hat, damit es ihm oder ihr „gut geht“. Das kann nur jeder Familie für sich selbst entscheiden. Je nach Situation kann das nämlich auch gravierende Auswirkungen für die entsprechenden Familien und eben leider auch oft speziell für die Frauen habe. Ich spreche mich daher für ein verpflichtendes Pensionssplitting und für einen sofortigen Ausbau der ganztägigen Kinderbetreuung aus.

In der Vorarlberger Politik wittere ich Unvermögen und Reformblockade der handelnden Akteure. Eine EUR 300,– „Herdprämie“ nützt einzig und allein den Politikern, die versuchen sich damit das Gewissen rein zu waschen, weil sie sich weder für eine ehrliche Aufklärung und/oder ein verpflichtendes Pensionssplitting noch für ausreichend Kinderbetreuungsplätze eingesetzt haben.

– Sabine Scheffknecht