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Keine Strategie im Ausbau der Ganztagsschulen – unzumutbare Situation für Eltern

Die Anzahl an Klassen mit verschränktem Ganztagsunterricht und auch die Anzahl der Schüler, die diese besuchen, hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Von einem Ausbau kann keine Rede sein. Das ehrgeizige Ziel der Landesregierung, bis 2019 die Zahl der Schüler in Ganztagesklassen zu verdoppeln, ist unerreichbar. Dazu hat nicht nur das Verwirrspiel um die Mittagsbetreuung beigetragen. Es fehlt offensichtlich auch an einer Strategie, um den Ausbau voranzutreiben. Ich bin enttäuscht von der Ambitionslosigkeit der Landesregierung, die sich in einer aktuellen Anfragebeantwortung widerspiegelt. Der Stillstand im Ausbau der Ganztagsschulen zeigt sich auch in den nicht abgeholten Bundesmitteln. Nur rund die Hälfte der zur Verfügung stehenden Mittel, die vom Bund bereitgestellt wurden, wurden auch in Anspruch genommen.

Im Schuljahr 2017/18 besuchten 1.421 Schüler_innen eine der 75 Ganztagesklassen in Vorarlberg. Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 ist dies zwar ein Anstieg, aber im Schuljahr 2015/16 war die Schülerzahl schon höher als im vergangenen Jahr. Für heuer konnte die Landesrätin keine Zahlen nennen. Das liegt einerseits am viel zu späten Stichtag, der Direktoren immer wieder vor große organisatorische Herausforderungen stellt. Andererseits unterstreicht es abermals die Planlosigkeit in der Vorarlberger Bildungspolitik. Wenn am Beginn des Schuljahres nicht klar ist, wie viele Ganztagesklassen es geben wird, ist das eindeutig ein Versagen des Managements. Damit bleibt es nämlich fraglich, ob sich Eltern überhaupt darauf verlassen können, dass eine Ganztagesklasse für ihre Kinder zur Verfügung steht. Eine unzumutbare Situation für betroffene Eltern.

Die Schwarz-Grüne Landesregierung hatte sich zu Beginn der Legislaturperiode zum Ziel gemacht, die Anzahl der verschränkten Ganztagesklassen zumindest zu verdoppeln. Die Zahlen offenbaren nun, dass man davon weit entfernt ist. Offensichtlich musste man sich vom ehrgeizigen Ziel der Verdoppelung verabschieden. Aber anstatt eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen und sich eine Strategie zu überlegen, wie der Ausbau tatsächlich im angestrebten Ausmaß vorangetrieben werden kann, steckt die Bildungslandesrätin Schöbi-Fink den Kopf in den Sand. Dies bestätigt die jüngste Anfragebeantwortung und ist eindeutig als Versagen der Landesregierung zu werten. Als einzige Maßnahme zum Ausbau der ganztägigen Schulformen wird ausgeführt, dass die Schulleiterinnen und Schulleiter angehalten werden, Informationen zu den Vorteilen eines verschränkten Ganztagsunterrichts an Eltern weiterzugeben. Das ist nicht nur ambitionslos, das ist planlos – die Bildungspolitik braucht dringend Nachhilfe!

– Sabine Scheffknecht