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Kinderbetreuung muss nicht nur leistbar, sondern vor allem auch qualitativ hochwertig sein

Jetzt kommt sie also, die leistbare Kinderbetreuung. Bis zu 3000 Kinder bzw. ihre Familien werden von den Vergünstigungen profitieren. Nachdem ich mir vorstellen kann, dass die Verhandlungen in dieser Sache alles andere als einfach waren – man denke nur an die vielen verschiedenen Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen und natürlich auch an den einen oder anderen eher hartgesottenen Bürgermeister – möchte ich zunächst ein Lob aussprechen. Es ist gut, dass dieses sozialpolitisch sicherlich wichtige Vorhaben nun offenbar in die Tat umgesetzt werden kann. Allerdings muss ich auch einige kritische Punkte zur Thematik aufwerfen.

Im Landtagsbeschluss lautete die Zielsetzung noch klar „ein kostenloser Zugang für armutsgefährdete Familien“. Dem wurde nun nicht Folge geleistet. Wofür sind Landtagsbeschlüsse eigentlich gut, wenn Sie von der Regierung nach Belieben missachtet bzw. bei Bedarf einfach modifiziert werden können? Vorarlberg ist zudem österreichweites Schlusslicht bei Tages- und Jahresöffnungszeiten in den Betreuungseinrichtungen. Es ist gut und wichtig, dass Kinderbetreuung jetzt leistbarer wird. Wenn die Maßnahme aber tatsächlich vor Armut schützen soll, dann muss auch sichergestellt sein, dass dank Kinderbetreuung Familie und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen ist. Dafür braucht es neben einem flächendeckenden Angebot auch ausgedehnte Tages- und Jahresöffnungszeiten in den jeweiligen Einrichtungen. Denn nur so ist sichergestellt, dass der Nachwuchs das ganze Jahr über gut versorgt ist – die Grundvoraussetzung für Berufstätigkeit. Wie aber soll das funktionieren, wenn es in Vorarlberger Betreuungseinrichtungen im Durchschnitt 48 Schließtage gibt? Im Österreichschnitt sind es lediglich 28!

Und damit komme ich schon zum nächsten kritisch zu hinterfragenden Themenbereich. Und zwar zur Qualität der Betreuung. Viele Vorarlberger Gemeinden sind finanziell sehr unter Druck. Während nun die zusätzlichen Kosten für die Vergünstigungen im Bereich Kinderbetreuung zur Gänze vom Land getragen werden – immerhin rund 1,4 Mio. Euro – heißt es beim Kindergarten, dass eine Mitfinanzierung der Gemeinden aus Bedarfszuweisungsmitteln angestrebt wird. Wenn damit der finanzielle Druck auf die Gemeinden erhöht wird, ist durchaus zu befürchten, dass dieser Druck von den Gemeinden an die Kindergärten und damit an das Personal weitergegeben wird.  Schon jetzt klagen Kindergartenpädagoginnen über wenig attraktive Arbeitsbedingungen und niedrige Gehälter. Aus meiner Sicht durchaus zu Recht. Denn Kindergartenpädagoginnen und auch Helferinnen – weit über 90% sind bekanntlich Frauen – sind oft deutlich unterbezahlt. Aber nicht nur das: Offenbar ist es vielfach auch mit der Wertschätzung nicht weit her. Wertschätzung sieht wahrlich anders aus! Es ist ein großer und fataler Fehler, Kinderkrippen und Kindergärten lediglich als nützliche Aufbewahrungs- und Bespaßungseinrichtungen für unseren Nachwuchs zu sehen. Vielmehr ist es höchst an der Zeit, diese Einrichtungen endlich als erste wichtige Bildungsstätten zu schätzen und zu unterstützen. Elementarpädagogik ist die Basis. Daher gehört hier endlich ein klarer Schwerpunkt in der Bildungspolitik gesetzt. Eines der Hauptprobleme ist dabei das Kompetenzwirrwarr mit Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Gemeinden. Es ist natürlich schwierig, Änderungen durchzusetzen, wenn jeder Bürgermeister sozusagen ein kleiner regionaler Bildungsminister ist.

Was also ist zu tun?

Wir müssen am Anfang der Bildungskarriere investieren, bei den Kleinsten, und ihnen damit einen guten Start ermöglichen. Die Sinnhaftigkeit von Investitionen in die Elementarpädagogik belegen alle Studien. Jeden Euro, den wir dort sparen, müssen wir nach Jahren x-fach drauflegen, um gut zu machen, was oft leider nicht mehr gut zu machen ist. Es ist gut, dass es künftig ein für alle leistbares Angebot im Bereich Kinderbetreuung gibt.  Achten wir gemeinsam darauf, dass dieses Angebot nicht nur leistbar, sondern vor allem auch qualitativ hochwertig ist. Denn mit Investitionen in eine hohe betreuerische und vor allem auch pädagogische Qualität von Anfang an tun wir nicht nur unseren Kindern, sondern uns allen etwas Gutes.