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NEOS unterstützen offenen Brief des Verein CSD Bregenz an Landeshauptmann Markus Wallner

Unsere Landtagsabgeordnete Sabine Scheffknecht zitierte im Vorarlberger Landtag aus dem offenen Brief von Sven Alexander Hofer (Verein CSD Bregenz). Dieser bezieht sich auf die Diskussion und den jüngst getätigten Aussagen des Landeshauptmannes zur Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Martina Pointner sah in Wallners „vollkommen abstruser“ Argumentation einen Schaden für das ganze Land, das sich so gerne weltoffen darstelle. Sie riet der „neuen“ Volkspartei, sich an Angela Merkels Konservativen zu orientieren und an den Menschenrechten. „Alle Menschen sind gleich, nicht ähnlich“, erklärte Sabine Scheffknecht der Volkspartei, was mit dem Gleichheitsgrundsatz gemeint ist.

Wir wollen der Aussage des Briefes Nachdruck verleihen und sagen unsere volle Unterstützung zu.

Hier der offen Brief zur Nachlese:


OFFENER BRIEF

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Wallner,
bezugnehmend auf Ihre, von diversen Medien (unter anderem Vol.at – veröffentlicht am 3. Juli 2017), im Zusammenhang mit der Frage der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, zitierten Aussagen1: „Der Staat muss ein ureigenes Interesse daran haben, dass auch Kinder gezeugt werden können“ und dass dies somit das „ureigenste Interesses eines Staates und einer Gesellschaft, die überleben will“ sei, sowie in Bezug auf die heutige Debatte über Ihre Aussagen im Vorarlberger Landhaus (in der aus nachfolgendem Brief bereits zitiert wurde), erlaube ich mir, Ihnen hiermit dessen Wortlaut zu übermitteln:
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Wallner,
Sie sprechen mit dieser Aussage sowohl homosexuellen Paaren als auch kinderlosen, heterosexuellen Paaren die Ehe mittels des Arguments der Zeugungsunfähigkeit (oder Unwilligkeit) kategorisch ab und unterstellen gleichzeitig ALLEN kinderlosen Paaren in Österreich, sich nicht am Erhalt der Gesellschaft zu beteiligen!
Herr Landeshauptmann, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nimmt niemandem etwas weg und sie gefährdet weder die Gesellschaft noch deren Erhalt, denn heterosexuelle Menschen werden nach wie vor weiterhin Kinder zeugen so wie bisher. Nebenbei bemerkt geht das sogar unabhängig von der Ehe – auch bei heterosexuellen Paaren: Es gibt schon jetzt Kinder neben einer Ehe, ohne eine Ehe, vor einer Ehe, nach einer Ehe, …
Sie können, sollte dennoch die Befürchtung bestehen, dass heterosexuelle Paare (nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare) weniger Kinder zeugen werden, in ALLEN Ländern, die bisher die Ehe gleichgeschlechtlichen Paaren geöffnet haben, feststellen, dass deren Gesellschaften bisher NICHT zusammengebrochen, untergegangen oder ausgestorben sind. Ihre Argumentation und Aussage kann somit allerhöchstens dem Schüren einer diskriminierenden Haltung innerhalb der demokratischen Gesellschaft Österreichs und dem Erzeugen von Ablehnung und Hass gegen Minderheiten dienen, denn sie eignet sich einzig zur Erniedrigung ALLER kinderlosen (Ehe-)Paare, denen Sie mit Ihrer Aussage unterstellen, nicht zum Erhalt der Gesellschaft beizutragen. Darüber hinaus kann sie nur als Beleidigung für alle jene (hetero- wie homosexuelle) Menschen gewertet werden, die täglich zur Arbeit gehen (auch dann, wenn sie keine Kinder gezeugt haben), ihre Steuern zahlen (und auf diese Weise die Gesellschaft erhalten, auch dann, wenn sie keine Kinder gezeugt haben) oder sich für eine saubere Umwelt einsetzen (auch das geht ohne Kinder und verhilft zu einer Umwelt, in der die Gesellschaft weiterhin existieren kann), etc.
Nicht nur Kinder tragen zum Erhalt einer Gesellschaft bei, auch vieles andere ist dafür notwendig, das von (hetero- wie homosexuellen) Menschen geleistet wird, die Sie (und Ihre Partei) offenkundig und unablässig erniedrigen, diskriminieren und ausgrenzen!
Wir fordern Sie daher auf, diese Aussage umgehend und nachhaltig zurück zu nehmen und sich darauf zu besinnen, was letzendes eine Gesellschaft, in der die Menschen gerne leben wollen, ausmacht und erhält. Das sind, über die Fähigkeit gemeinsam Kinder zeugen zu können (oder zu wollen) hinaus, auch Dinge wie: Respekt, Anerkennung ALLER Menschen als eigenständige Individuen, Freiheit, Menschenrechte, Würde und Achtung, Integrität, und viele weitere.
Hier ist eine Entschuldigung mehr als angebracht Herr Landeshauptmann, nicht nur bei den homosexuellen Menschen der Gesellschaft, in der auch Sie selbst leben, sondern auch bei ALLEN kinderlosen Paaren und ALLEN anderen Menschen, die eine Ehe eingehen möchten, aber Ihrer Argumentation nach dieser nicht würdig genug sind, weil Sie keine Kinder bekommen können (oder wollen) und somit – Ihrer Argumentation folgend – die Gesellschaft nicht erhalten.
Liebe reicht in der Regel aus, um eine Ehe zu schließen. Auch wenn unsere Gesellschaft sicherlich eine Gesellschaft ist, in der es um Leistung und Produktivität geht, so ist die Ehe doch wenigstens noch ein Bereich, der davon unberührt geblieben ist. Menschen heiraten, weil sie sich lieben, nicht weil sie „produktiv“ sein wollen und die Gesellschaft mittels Kindern erhalten wollen.
Kinder sind ein Geschenk, das man in einer Ehe haben kann oder nicht, sie sind aber nicht (oder schon lange nicht mehr, wir erinnern, es ist das Jahr 2017 in dem wir leben) das Kriterium, nachdem Menschen heute eine Ehe schließen.
Ich habe einen Sohn aus einer vorangegangenen Ehe Herr Landeshauptmann, habe also somit die von Ihnen proklamierte Pflicht, die „Gesellschaft zu erhalten“ sicherlich erfüllt und lade Sie hiermit herzlich dazu ein, mich und meinen Partner sowie unseren Sohn kennen zu lernen, so können Sie sehen, dass auch wir FAMILIE sind und wir – und damit auch unser Sohn – den „besonderen Schutz“, von dem Sie unentwegt sprechen, ebenso mehr als nur verdient haben.

Geschrieben von Sven Alexander Hofer ( (Verein CSD Bregenz)