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Terroranschläge in Paris – Angriff auf Demokratie, Freiheit und Grundwerte

Wir alle sind schockiert, sprachlos, wütend und traurig. Je nach Typ das eine mehr und das andere weniger. Viele von uns auch alles gleichzeitig. Das was in der Nacht von letztem Freitag in Paris passiert ist, trifft uns bis ins innerste. 130 Todesopfer, mehrere hundert Verletzte durch feige, unmenschliche Anschläge. Und wahrscheinlich können wir von Glück reden, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist.

„Der Krieg des Islamischen Staates ist nach Europa gekommen“, so titeln einige Medien. Das macht Angst. Wie gehen wir mit dieser Situation um? Welche Auswirkungen haben die Anschläge auf unser Leben hier in Vorarlberg? Sind wir machtlos und ohnmächtig oder können wir etwas tun? Und wenn ja, was? Das sind die Fragen, die uns alle bewegen.

Zu Beginn möchte ich eines gleich klar stellen:

Es liegt uns fern, das Thema Terror mit dem Flüchtlingsthema zu vermischen. Im Gegenteil! Für uns ist klar, dass die Menschen, die derzeit aus Syrien und den umliegenden Regionen zu uns kommen, genau vor diesem Terror des Islamischen Staates fliehen. Diese Menschen haben kein sicheres Zuhause. Sie müssen täglich mit Angriffen wie in Paris rechnen und haben sich entschieden, lieber ihre Heimat, oft auch ihre Familien und alles was ihnen sonst lieb und teuer war, zu verlassen, als in dieser ständigen Lebensgefahr weiter zu leben oder zu sterben. Viele von Ihnen haben Angehörige verloren, die vom Islamischen Staat verschleppt, verwundet oder brutalst ermordet wurden. Sie haben das Gleiche erlebt, wie jetzt unzählige Angehörige der Opfer in Frankreich. Zeigen wir uns mit allen Angehörigen der Opfer – egal woher sie kommen – solidarisch.

Der Kampf gegen diesen Terror ist nicht durch einen dritten Weltkrieg zu gewinnen. Er ist nur zu gewinnen, indem Menschen – egal welcher Nationalität, Hautfarbe und Religion – gemeinsame Werte wie Freiheit, Mitmenschlichkeit, Solidarität, Respekt und Toleranz verteidigen. Verteidigen, in dem sie diese Werte mehr denn je leben und in dem sie diese Werte auch einfordern. Ja, es gibt den Ruf nach Vergeltung. Es gibt die Wut und das Gefühl, dass wir uns solche Angriffe nicht gefallen lassen dürfen und zurück schlagen müssen. Ich höre diese Rufe und habe Verständnis dafür.

Und gleichzeitig bin ich und viele von uns davon überzeugt, dass es in einer Zeit, an dem die Welt an einem Scheideweg steht, auch die Rufe nach Besonnenheit, nach Dialog und nach friedlichen Lösungen braucht. Und ich habe mich bewusst – wie viele andere auch – dafür entschieden, diese Stimmen zu vertreten. Um das Gleichgewicht zu halten aber auch aus tiefster Überzeugung, dass Frieden nur dadurch entsteht, dass wir uns täglich bewusst gegen Gewalt entscheiden.

Gegen physische Gewalt aber auch – und das ist bereits ein Thema in Vorarlberg – gegen verbale Gewalt, die schon jetzt im Internet in Form von Postings oder in Gesprächen stattfindet. Die Sprache ist eine andere geworden. So sehen wir es z.B. fast schon als normal an, wenn Jugendliche einander als „Opfer“ bezeichnen. Ebenso – sagen wir vielleicht nicht „normal“ aber „alltäglich“ – sind Äußerungen wie – „die sollen dahin zurück verschwinden, woher sie gekommen seid“ und schlimmeres.

Wollen wir das? Wollen wir das für die Zukunft unserer Kinder?

Ich nicht. Also entscheiden wir uns dafür, im Kleinen achtsam zu sein. Entscheiden wir uns dafür, unsere Werte zu leben. Die Freiheit, in dem wir auf Zäune und Mauern innerhalb Europas verzichten. Schützen wir gemeinsam die EU-Außengrenzen und richten wir breite Sicherheitszonen ein, damit die Schutzbedürftigen geordnet zu uns kommen können, die Menschen aus sicheren Herkunftsländern aber bereits dort informiert werden, dass sie kein Asyl bekommen.

Leben wir die Solidarität, in dem wir z.B. in Europa für eine gerechte Aufteilung der Flüchtlinge sorgen. Leben wir die Mitmenschlichkeit, in dem wir in den Flüchtlingslagern vor Ort deutlich mehr Hilfe anbieten, als wir es jetzt tun. Aber auch indem wir Verfolgten und Bedrohten hier ein neues Zuhause geben. Leben wir den Respekt, in dem wir unsere Werte wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau vorleben. Und leben wir die Toleranz. Zeigen wir, dass Nationalität, Hautfarbe und Religion keine Rolle spielen, wenn das menschliche Miteinander funktioniert.

Hier ist Integration das Gebot der Stunde. Integration fängt mit Sprache an, so schnell und intensiv wie möglich. Integration bedeutet aber auch, Kultur und Werte zu erklären aber auch – wie gerade beschreiben – vorzuleben. Hier sind wir alle gefordert, damit keine Parallelgesellschaft entsteht, sondern wir gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern.