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Vorarlberg für Schlüsselkräfte attraktiver machen

02.02.2015 Gerald Loacker

Vorarlberg ist eine der stärksten Wirtschaftsregionen in Europa. Wir sind ökonomische Vorreiter, weil sich Fleiß und Leistung mit guten äußeren Umständen und mutigem Unternehmertum verbunden haben. Aber auch als starkes Vorarlberg leiden wir unter einem länderübergreifenden Problem: Dem Fachkräftemangel. Deshalb muss vermehrt um Spitzenkräfte aus dem Ausland geworben werden, damit Vorarlberg international nicht an Boden verliert.

Doch wie geht die Politik derzeit mit diesem Thema um? Das System der Rot-Weiß-Rot-Karte ist eine bürokratische Farce, die intelligente Bewerber daran zweifeln lässt, ob sie als Spitzenkräfte in diesem Land überhaupt gewünscht sind. Im Schnitt dauert so ein Verfahren, damit gesuchte, junge Akademiker aus Nicht-EU-Staaten bei uns arbeiten dürfen, 15 Wochen! In anderen Ländern, mit denen wir im Wettbewerb um die besten Kräfte stehen, geht das schneller.

Wenn wir solche Fach- und Spitzenkräfte dann doch nach Vorarlberg bekommen haben, versäumen wir es, sie an uns zu binden, weil sie nicht einmal eine Eigentumswohnung kaufen dürfen.

Wie ist das möglich? Das Grundverkehrsgesetz in Vorarlberg sieht vor, dass beim Erwerb von Grundstücken, Häusern und Wohnungen durch Drittstaatsangehörige in jedem Einzelfall die Genehmigung der Grundverkehrs-Landeskommission nötig ist. Hier wird zwischen dem russischen Oligarchen, der ein Hotel in Lech kauft und dem IT-Programmierer, der eine 40m²-Wohnung im Rheintal kaufen will, nicht unterschieden. Die Mitglieder dieser Kommission werden von der Landesregierung bestimmt, basierend auf den Empfehlungen der Kammern. Und diese Kommission berät und beschließt – wenig überraschend – nicht öffentlich.

Ansuchen von Schlüsselkräften mit RWR-Karte werden in Vorarlberg nach mehrwöchigen Verfahren regelmäßig abgelehnt. Eine reichlich absurde Regelung, die so in Deutschland und anderen österreichischen Bundesländern nicht existiert – und das aus gutem Grund, denn eine Eigentumswohnung bindet Spitzenkräfte an ihre neue Heimat.

Jährlich werden in Vorarlberg ca. 80 RWR-Karten erteilt. Diese ausgesuchten Kräfte stärken mit ihrer Kompetenz unsere Unternehmen und tragen damit zur Sicherung vieler weiterer Arbeitsplätze bei. Und wir bräuchten mehr Spezialisten dieses Kalibers.

Sichtbar wird hier politische Inkompetenz: Es fehlt eine Zuwanderungsstrategie, die sich danach ausrichtet, dass diejenigen nach Vorarlberg kommen, die wir hier brauchen. Eine ausländische Spitzenkraft mit Rot-Weiß-Rot-Karte in Vorarlberg muss das Recht haben, sich ohne bürokratische Schikane eine Wohnung für den Eigenbedarf zu kaufen. Wir stehen im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Nur mit einer echten Willkommens-Kultur kann Vorarlberg in Europa weiterhin eine wirtschaftliche Spitzenregion bleiben. Und den finanziellen Aufwand könnten wir uns als Land Vorarlberg auch sparen – im Bildungssystem wäre das Geld besser angelegt. Es ist Zeit, dass sich hier etwas ändert!