« Zurück zur Übersicht

Wer möchte eine Herdprämie? – NIEMAND!

Wieder einmal wird eine (Schein-)Debatte geführt, um von den wesentlichen Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein mangelndes Angebot an – vor allem flexiblen – Kinderbetreuungseinrichtungen und der Teilzeitfalle mit dem Risiko der Altersarmut abzulenken. Ich kenne keine einzige Frau, die gerne eine „Herdprämie“ bekommen möchte, zumal selten ein Begriff so diskriminierend ist wie dieser! Aber wie man’s macht, macht man’s falsch: Bleibt eine Frau bei den Kindern zu Hause, ist sie das Hausmütterchen und hütet – nein nicht die Kinder – sondern den Herd! – Geht eine Frau wieder arbeiten, ist sie die Rabenmutter, die nicht nur ihre Kinder vernachlässigt sondern wahrscheinlich auch die Küche!

Beides geht weit an der Wahrheit vorbei!

Ich kenne viele junge Familien, und eines steht fest: Frauen und – ja auch Männer! (wir leben schließlich im 21. Jahrhundert) – interessiert einzig und allein, ob und wie sie ihr Leben mit Kindern so einrichten können, wie sie es sich vorstellen oder wünschen.

Was gefragt ist, sind ideale Rahmenbedingungen für Familien. Und genau bei diesen Rahmenbedingungen gibt es in Vorarlberg und ganz speziell im Bregenzerwald aber auch anderen ländlichen Gegenden noch viel Aufholbedarf. Wer glaubt, dass EUR 300,- jemanden dazu bewegen können, die Kinder zu Hause zu betreuen oder eben auch nicht, der versteht weder etwas von Finanzen noch – und das ist viel entscheidender – etwas davon, wie Familien denken!

In einer Familie ist das oberstes Gebot, dass es allen Beteiligten gut geht. Anders als andere Parteien, möchten wir NEOS aber niemandem vorschreiben, wie er zu leben hat, damit es ihm oder ihr „gut geht“. Das kann nur jeder Familie für sich selbst entscheiden.

Trotzdem gibt es aber – je nach Entscheidung – ganz gravierende Auswirkungen für die entsprechenden Familien und eben leider auch oft speziell für die Frauen. Bleibt ein Partner (meist die Frau) länger zu Hause, hat das ohne Zweifel Auswirkungen auf den Wiedereinstieg, das dann zu erwartende Einkommen und natürlich auch auf die Höhe der Pension. Hier sind im Bezug auf eine echte Wahlfreiheit noch einige Hausaufgaben zu machen. Auf der einen Seite gilt es ehrlich darüber aufzuklären, was lange Pausen in der Erwerbstätigkeit für Auswirkungen haben. Es muss jedenfalls ein verpflichtendes Pensionssplitting umgesetzt werden (das hilft denjenigen die zu Hause bleiben). Auf der anderen Seite gilt es flächendeckend eine flexible und hochqualitative Kinderbetreuung anzubieten – für alle die sich entscheiden, bald wieder arbeiten zu gehen!

Eine EUR 300,- „Herdprämie“ nützt einzig und allein den Politikern. Es wird versucht sich damit das Gewissen rein zu waschen, weil man sich weder für eine ehrliche Aufklärung und/oder ein verpflichtendes Pensionssplitting noch für ausreichend Kinderbetreuungsplätze eingesetzt hat.

-Sabine Scheffknecht