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Wie sauber ist Vorarlberg? Die schmutzigen Geschäfte mit Müll, „Einstreu“, Gülle & Co.

Das was wir hier in den letzten Wochen erleben und erfahren mussten, taucht unser sprichwörtlich „suber’s Ländle“ in ein sehr schlechtes Licht.

Missstand 1: Müllentsorgung – wider das Gesetz und den Verstand.

Dass auf dem Gelände der Häusle GmbH illegal Müll vergraben wurde, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Im Land der „Weltmeister im Mülltrennen“ kommen sich nun viele Menschen ganz schön gefoppt vor.

Und sie fragen sich vor allem auch: Wo waren die Aufsichtsbehörden in all den Jahren? Scheinbar hat über Jahre niemand etwas gemerkt von diesen mysteriösen Vorgängen, obwohl das Unternehmen laut Abteilung Abfallwirtschaft einer regelmäßigen und eingehenden Kontrolle unterlag.

Was besonders stutzig macht: über die Jahre hat es zwar mehr als 30 rechtskräftige Strafbescheide zu diversen Sachverhalten gegen Häusle gegeben, Konsequenzen hat dies jedoch kaum nach sich gezogen, weil anscheinend jeweils der abfallrechtliche Geschäftsführer ausgewechselt wurde, wenn dieser – als gewerberechtlich Verantwortlicher – genug auf dem Kerbholz hatte. Laut LR Rauch ein „gesetzliches Manko“ –  eine Gesetzeslücke also, die die Firma Häusle über Jahre weidlich genutzt hat. Aber warum wurde dieses Manko vom Gesetzgeber denn nicht behoben? Wieso hat man dem Treiben jahrelange zugeschaut? Für uns absolut unverständlich!

Doch damit nicht genug der Untätigkeit: Unmengen von Plastik-Teilchen tummeln sich offenbar seit Jahren auf Vorarlbergs Feldern. Erst als der Häusle-Skandal seinen Höhepunkt erreicht, erregt auch diese „Sauerei“ die Gemüter. Aber auch diese Taten zogen – angeblich in Ermangelung einer rechtlichen Handhabe – nur sehr geringe Konsequenzen nach sich. Auch das unverständlich! Dies betrifft natürlich die so genannten schwarzen Schafe, die es leider gibt. Auf der anderen Seite stehen sehr viele Bauern, denen eine saubere und ehrlich Landwirtschaft ebenso am Herzen liegt, wie mir. Genau für diese ehrlichen, schwer arbeitenden Menschen setzen wir uns ein, damit sie mit ihren qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen nicht nur überleben, sondern anständig leben zu können.

Missstand 2: Gülle in Hülle und Fülle

Anscheinend wird nicht nur Gülle, insbesondere so genannte Biogas-Gülle, aus der Schweiz auf Vorarlberger Feldern ausgebracht – nein, es wird auch massenhaft Bioabfall aus dem Landkreis Ravensburg importiert, um hier in der Häusle-Biogasanlage entsorgt zu werden.

Sowohl bei der Kompostierung organischer Stoffe als auch bei der Vergärung fallen große Mengen an Reststoffen an: in Gasform – zum Teil giftige Gase – als Flüssigkeit und als Feststoffe. Auch diese Stoffe müssen entsorgt werden. Da dieses Substrat neben Stickstoff und Phosphat auch Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Nickel und sogar Quecksilber enthalten kann, ist es nicht nur bei Ökologen sehr umstritten. Die Vorarlberg Milch z.B. untersagt ihren Lieferbetrieben anscheinend den Einsatz dieser Stoffe. Dennoch zeigt sich, dass es von einigen heimischen Landwirten in großen Mengen eingesetzt wird.

Übrigens: Die Biogasanlage der Firma Häusle, errichtet im Jahr 2014, hat laut Abteilung Abfallwirtschaft von Anfang an nicht richtig funktioniert. Die Probleme wurden laut Abteilungsvorstand im Rahmen der behördlichen Abnahme im Jahr 2015 erkannt, und es wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dennoch lief die fehlerhafte Anlage noch viele Monate unbehelligt weiter – bis die Firma Häusle erst jetzt im Rahmen des Müllskandals per Ultimatum des Landesrats bzw. Bescheid zur Umsetzung der notwendigen Verbesserungen gezwungen wurde!Schon wieder waren also die Behörden hier offenbar über Monate oder sogar Jahre untätig und kamen erst durch den Druck der medialen Berichterstattung in die Gänge!!

Missstand 3: Die Ländle-Müll-Connection

Blickt man hinter die Kulissen der Vorarlberger Entsorgungs-Szene, wird einem schnell klar: Das ist ein höchst „spannender“ Geschäftszweig.

Ein Geflecht aus unzähligen Firmen überzieht nicht nur das Land, sondern reicht auch über dessen Grenzen hinaus. Vielschichtig, undurchsichtig – und dadurch eben auch höchst fragwürdig. Etwa in punkto Preisgestaltung und Wettbewerb. Und nicht zuletzt auch hinsichtlich der involvierten und nutznießenden Personen. Durch mühsame Recherche können wir belegen, dass sogar angebliche Haupt-Konkurrenten über Beteiligungen direkt miteinander verflochten sind. Zwischen all dem Dickicht und den untätigen Behörden finden sich die entsetzten Bürgerinnen und Bürger, die eigentlich zu Recht annehmen dürfen, dass ihr Abfall verlässlich und umweltgerecht entsorgt wird. Insbesondere, da sie dafür meist tief in die Tasche greifen müssen.

In punkto Müll, Gülle & Co. liegt also offenbar einiges im Argen im „subara Ländle“.