Wo tuat's weh? 706 Stimmen, ein klares Urteil: Das Vorarlberger Gesundheitssystem ist am Limit
NEOS Vorarlberg präsentiert Umfrageergebnisse und fordert einen verbindlichen Reformfahrplan für das Gesundheitssystem

© NEOS
Das Vorarlberger Gesundheitssystem steht unter massivem Druck – und die Menschen im Land spüren das jeden Tag. Bei einer Pressekonferenz am 21. April 2026 in Bregenz haben NEOS-Klubobfrau Claudia Gamon und Gesundheitssprecherin Katharina Fuchs die Ergebnisse der landesweiten NEOS-Umfrage „Wo tuat's weh?" vorgestellt. Das Resultat ist ein kollektives Misstrauensvotum gegenüber der Gesundheitspolitik der Landesregierung.
Ein mittelmäßiges Zeugnis für ein teures System
706 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger haben an der Befragung teilgenommen – darunter ein bemerkenswert hoher Anteil von 32 Prozent Gesundheitspersonal. Die Gesamtbewertung des Systems: nur 2,71 von 5 möglichen Punkten. Ein System, das enorme Ressourcen bindet, bekommt von seinen Nutzer:innen und Mitarbeiter:innen bestenfalls ein „befriedigend".
Die drängendsten Probleme aus Sicht der Bevölkerung:
70 % nennen lange Wartezeiten als größtes Problem
40 % beklagen zu wenig Zeit für Patient:innen
26 % sehen den Personalmangel in Spital und Pflege als zentrales Problem
14 % vermissen wohnortnahe Angebote – in ganz Vorarlberg gibt es bislang nur drei Primärversorgungszentren (PVZ)
Wartezeiten: Die Landesregierung belegt ihr eigenes Versagen
Was die Menschen im Alltag erleben, bestätigt die Landesregierung in ihrer eigenen Anfragebeantwortung vom 9. April 2026 schwarz auf weiß:
Endoprothetik KH Dornbirn: von bis zu 8 Monaten (2021) auf bis zu 16 Monate (2026) – mehr als verdoppelt
Endoprothetik LKH Feldkirch: von 16,9 auf 33 Wochen (+95 %)
Bandscheiben-OP LKH Feldkirch: von 8,1 auf 20,7 Wochen (+156 %)
Katarakt-OP KH Dornbirn: von 12 auf 17–18 Monate (+50 %)
Auf die Frage nach konkreten Gegenmaßnahmen liefert die Landesregierung lediglich vage Antworten. Schwer zu prognostizieren ist keine Gesundheitspolitik. Die Lage verschlechtert sich seit Jahren, und die Verantwortlichen haben keine Antwort", kritisieren die NEOS.
Personal am Limit – das Land weiß es und tut nichts
Die Umfrage zeichnet ein eindeutiges Bild der Belastungssituation in Pflege und Spital: 74 % nennen Personalmangel als Hauptproblem, 55 % kritisieren die Arbeitsbedingungen, 44 % die Bezahlung – und 40 % geben die Bürokratie als massive Belastung an. Genau hier ließe sich durch Digitalisierung und Entbürokratisierung ansetzen, um dem Personal wieder mehr Zeit für die Patient:innen zu verschaffen.
Auch die Anfragebeantwortung der Landesregierung bestätigt die Dramatik:
2.400+ zusätzliche Pflegefachkräfte werden bis 2030 benötigt
24 % der Spitalsärzt:innen gehen bis 2030 in Pension
45+ offene Stellen sind landesweit unbesetzt
Und während die Landesregierung von einer „verbesserten Ausgangslage am Arbeitsmarkt" spricht, bleiben gleichzeitig ganze Stationen gesperrt. Allein am LKH Feldkirch sind 28 Betten in der Orthopädie/Traumatologie nicht belegbar, am LKH Rankweil 28 Betten in der Erwachsenenpsychiatrie.
„Pflegekräfte sind das Rückgrat unseres Gesundheitssystems. Wer im System arbeitet, weiß am besten, wo es klemmt – und diese Menschen rufen seit Jahren um Hilfe. Die Landesregierung hört offensichtlich weg."
– Katharina Fuchs, Gesundheitssprecherin NEOS Vorarlberg
Schlechte Kommunikation führt zu Vertrauensverlust
Die Debatte rund um den Spitalscampus wird nach Ansicht der NEOS falsch geführt. 59 Prozent der Befragten fühlen sich über geplante Veränderungen nicht ausreichend informiert, nur 12 Prozent sehen sich gut informiert. Die Online-Beteiligung des Landes zum Spitalscampus brachte gerade einmal rund 250 Teilnehmende (Stand 20.04.2026).
Dabei ist die Bevölkerung reformbereit: 77 Prozent sprechen sich für weniger, aber dafür spezialisierte Krankenhäuser aus – auch wenn dies längere Anfahrtswege bedeutet. Was fehlt, ist ein „Big Picture" statt kleinteiliger Diskussionen über Kernöl und Parmesan im Spitalseinkauf.
„Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind bereit für tiefgreifende Reformen, um das Gesundheitssystem zu verbessern. Die Landesregierung offenbar nicht."
– Claudia Gamon, Klubobfrau NEOS Vorarlberg
Der Blick über die Grenze: Wie geht es besser?
Während die Landesregierung fragt „Wo können wir sparen?", stellen NEOS eine andere Frage: „Wie wird Vorarlberg die beste Gesundheitsregion Europas?" Internationale Vorbilder zeigen, wie es funktioniert:
Dänemark: Hausarzttermin noch am selben Tag, elektive Eingriffe mit weniger als einem Monat Wartezeit.
Niederlande: Ein Hausarzt pro 2.300 Einwohner:innen, keine Wartelisten in der Primärversorgung. In Vorarlberg würden 73 Prozent der Befragten ein PVZ nutzen – es gibt aber nur drei PVZ für 400.000 Menschen.
Finnland: Spezialisierung plus starke Primärversorgung – weniger Spitalsbetten, mehr ambulante Leistungen, bessere Qualität.
Das zentrale Lernstück: Wer in die Primärversorgung investiert, spart langfristig bei teuren Spitalsaufenthalten. Bis 2028 fließen 48,8 Millionen Euro vom Bund zweckgewidmet für Strukturreformen nach Vorarlberg – Geld, das in den Ausbau der Primärversorgung gehört.
Die NEOS-Forderungen: Aus Zahlen werden Taten
Aus der Umfrage, zahlreichen Gesprächen und der parlamentarischen Arbeit leiten NEOS Vorarlberg vier konkrete Forderungen ab:
1. Verbindlicher Reformfahrplan: Bis Ende 2026 einen öffentlichen Strukturreformplan mit messbaren Zielen, Zeitplan und jährlicher Berichtspflicht gegenüber dem Landtag. Kein weiterer Umbau ohne Gesamtkonzept.
2. Echte Beteiligung statt Alibi-Konsultation: Ein Vorarlberger Gesundheitsrat mit Bürger:innen, Fachpersonal und Gemeindevertreter:innen, der den Reformprozess begleitet und öffentlich berichtet – nach dem Vorbild des irischen Bürger:innenrats.
3. Entbürokratisierung und Digitalisierung: KI-gestützte Dokumentation in allen Vorarlberger Spitälern bis 2027 – mit messbarer Reduktion der Verwaltungszeit. Dänemark und Estland zeigen, dass das funktioniert.
4. 48,8 Millionen Euro vom Bund in die Primärversorgung: Mindestens ein PVZ pro Bezirk bis 2028 – finanziert aus den bereits zugesagten Bundesmitteln.
Fazit: Gesundheitspolitik ist kein Planspiel
706 Stimmen, die Anfragebeantwortungen der Landesrätin, internationale Benchmarks – die Faktenlage ist erdrückend. In den kommenden Wochen werden NEOS Vorarlberg die Ergebnisse gemeinsam mit Umfrageteilnehmer:innen, Fachexpert:innen und Gesundheitspersonal vertiefen, um konkrete strukturelle Reformen auszuarbeiten.
„Gesundheitspolitik darf kein reines Planspiel sein. Sie betrifft echte Menschen, mit echten Problemen und Sorgen. Unsere Umfrage zeigt: Die Bevölkerung ist es leid, auf Lösungen zu warten."
– Claudia Gamon
Die Vorarlberger:innen sind reformbereit. Jetzt ist die Landesregierung am Zug.
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Quellen: NEOS Vorarlberg Umfrage „Wo tuat's weh?", n=706, April 2026 | Anfragebeantwortung LRin Rüscher vom 9. April 2026, Zl. 29.01.195 | OECD Health Statistics 2024 | EU Country Health Profiles (Dänemark, Niederlande, Finnland)
