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Zwei Krankenhäuser für ein gesundes Vorarlberg

Katharina Fuchs
Katharina Fuchs
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Wie tiefgreifende Strukturreformen die Versorgungsqualität steigern, Wartezeiten halbieren und das System dauerhaft finanzierbar machen

Johannes Gasser | Nationalratsabgeordneter NEOS

Katharina Fuchs | Gesundheitssprecherin NEOS Vorarlberg

77 % für spezialisierte Zentren  ·  310 Mio € Spitalsdefizit 2024  ·  nur 3 PVZ für 400.000 Vorarlberger:innen


Die Ausgangslage: ein System unter massivem Druck

Vorarlberg zahlt immer mehr — und wartet trotzdem immer länger. Die Spitäler schreiben rote Zahlen: Das Defizit der sieben Standorte stieg 2024 auf fast 310 Millionen Euro, ein Plus von 43 Millionen in einem einzigen Jahr. Rund 40 % der Ausgaben können nicht mehr aus eigenen Einnahmen gedeckt werden. Der Gesundheitssektor verschlingt bereits ein Viertel des Landesbudgets — Tendenz steigend.

Gleichzeitig haben sich die Wartezeiten teils verdoppelt. Die Anfragebeantwortung der Landesregierung vom April 2026 belegt das im Detail. Bis 2030 fehlen über 2.400 Pflegekräfte, 24 % der Spitalsärzt:innen gehen bis dahin in Pension. Das ist kein konjunkturelles Problem — das ist strukturelles Versagen.

„Die Menschen in Vorarlberg sind in dieser Frage längst weiter als die Politik. Das ‚Weiter so' ist keine Option. Unser Plan ist die logische Konsequenz aus dem, was die Menschen fordern und was die Daten und Fakten bestätigen."

— Katharina Fuchs, Gesundheitssprecherin NEOS Vorarlberg



 

Was die Umfrage „Wo tuat's weh?" gezeigt hat

NEOS Vorarlberg hat im April 2026 706 Menschen befragt, davon 227 aus dem Gesundheitsbereich. Die zentralen Befunde: 77 % befürworten weniger, dafür hochspezialisierte Krankenhäuser. 73 % würden ein PVZ in ihrer Nähe nutzen, statt ins Krankenhaus zu fahren. Die Fachleute aus dem Gesundheitsbereich fordern explizit den Ausbau von PVZ, vorgeschaltete Allgemeinmediziner:innen vor Notaufnahmen und durchgängige digitale Patientenakten. Die Botschaft ist klar: Bevölkerung und Fachleute sind bereit für die Strukturreform — die Politik muss sie nur umsetzen.

 

Das Modell: Zwei Zentren — ein starkes Netz

NEOS Vorarlberg fordert die Weiterentwicklung des Spitalssystems hin zu zwei hochspezialisierten Krankenhäusern — bei Bedarf ergänzt durch ein Spezialzentrum (etwa Rankweil für Psychiatrie) — und ein flächendeckendes, niederschwelliges PVZ-Netz für die wohnortnahe Versorgung. Verbunden über bessere digitale Schnittstellen zwischen allen Versorgungsebenen. Das Prinzip: digital vor ambulant vor stationär.

 

Heute: 7 Standorte — DoppelgleisigkeitNEOS-Modell: 2 Zentren + PVZ-Netz
7 Spitalsstandorte, gleiche Leistungen mehrfachZentrum Nord: Unterland (Bregenz/Dornbirn)
Zu wenig Spezialisierung pro StandortZentrum Süd: Oberland (Feldkirch/Bludenz)
Hohe Fixkosten, ineffiziente Auslastung+ Spezialzentrum bei Bedarf: Rankweil (Psychiatrie)
Nur 3 PVZ für 400.000 Einwohner:innenHochspezialisierung — messbar bessere Qualität
Defizit 310 Mio €/Jahr und steigendPVZ in jedem Bezirk — flächendeckend, niederschwellig
Lange Wartezeiten, PersonalmangelDigitale Steuerung: 1450/App mit Termin-Garantie
Bürokratie als HauptbelastungNachhaltige Finanzierbarkeit statt jährlicher Defizite

 

Das bedeutet nicht, dass regionale Standorte verschwinden. Die ambulante, geriatrische und rehabilitative Versorgung bleibt wohnortnah — und wird durch die Verlagerung aus dem Krankenhaus heraus sogar niederschwelliger. Die Konzentration betrifft die komplexe stationäre und operative Versorgung — genau jene Leistungen, bei denen Spezialisierung und Fallvolumen den Unterschied machen.

 

Warum Spezialisierung bessere Ergebnisse liefert

Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig (New England Journal of Medicine u.a.): Höheres Fallvolumen bedeutet mehr Routine, niedrigere Komplikationsraten und kürzere Aufenthalte. Spezialisierte Zentren sind außerdem personell resilienter — an kleinen Standorten bricht ein Fachbereich bei einem Ausfall zusammen. Teure Geräte (MRT, Katheter-Labor, Roboterchirurgie) lassen sich an 2 statt 7 Standorten besser auslasten und finanzieren. NEOS fordert keinen einzelnen Zentralstandort (laut Land 1,8 Mrd. Euro), sondern zwei regionale Zentren — die den laufenden Sanierungs- und Investitionsbedarf reduzieren.

 

Was die Landesregierung selbst bestätigt

Mit dem Spitalscampus-Konzept hat die Landesregierung das Nord-Süd-Prinzip selbst bestätigt: Sie plant, Fachbereiche regional zu bündeln (Nord: Bregenz, Dornbirn, Hohenems / Süd: Feldkirch, Rankweil, Bludenz). Der Unterschied: Sie hält an allen sieben Standorten fest und spart laut eigenen Zahlen nur maximal 5 bis 11 Millionen Euro jährlich — bei 310 Millionen Defizit weniger als 4 % des Problems. „Es geht bei dieser Reform nicht ums Sparen um jeden Preis, sondern um eine bessere und vor allem effektivere Struktur — und die bekommt man nicht mit sieben Spitalsstandorten und neuen Schildern“, betont Katharina Fuchs. 

 

Was vergleichbare Regionen zeigen

DänemarkAktive Investition in Primärversorgung & Digitalisierung. Hausarzttermin am selben Tag, Wartezeiten unter 1 Monat (OECD). In Vorarlberg: bis zu 16 Monate.
NiederlandeDichtes Hausarzt- und PVZ-Netz filtert, wer wirklich ins Krankenhaus muss. Kaum Wartezeiten, niedrigere Spitalsauslastung, niedrigere Pro-Kopf-Kosten.
FinnlandSpitalsreform: Reduktion der Standorte, Verlagerung in den ambulanten Bereich. Bessere Qualität, effizienterer Ressourceneinsatz (OECD 2023).

 

„Der Bund hat sich verpflichtet: 300 Primärversorgungseinheiten österreichweit bis 2030. Vorarlbergs fairer Anteil wäre rund 11 PVZ. Tatsächlich geplant laut RSG: null. Wer die Primärversorgung nicht ausbaut, braucht die teuren Spitäler als Ersatz — und zahlt die 310 Millionen Defizit pro Jahr als Konsequenz."

— Katharina Fuchs, Gesundheitssprecherin NEOS Vorarlberg

Reformpartnerschaft Gesundheit: Was Vorarlberg vom Bund braucht

 

Die zentralen Hebel der Spitalsreform — Finanzierung, Steuerung, Tarifgestaltung — liegen beim Bund. Genau deshalb sitzt NEOS in der Reformpartnerschaft Gesundheit am Verhandlungstisch und arbeitet daran, die Voraussetzungen zu schaffen, damit das Vorarlberger Modell auch finanziell und strukturell funktioniert.

Fünf modellunabhängige Empfehlungen — sofort umsetzbar:

•     Aktive Patientenlenkung über 1450, klare Erstanlaufstellen und verbindliche Termine — niemand mehr aus Verzweiflung in der Notaufnahme.

•     Dateninfrastruktur zentralisieren und vereinheitlichen — durchgängig statt doppelt erfasst und nicht weitergeleitet. Spart Kosten und gibt Patient:innen Datenhoheit.

•     Verbindlicher Ausgabenpfad mit Konsequenzen, damit die Bundeszielsteuerung Wirkung entfaltet — sonst bleibt es bei den jährlichen Defiziten.

•     Gleiche Preise für gleiche Leistungen auf Basis kostenbasierter Referenzpreise — egal ob im Spital oder in der Praxis. Leistungen werden dort erbracht, wo es für Patient:innen am sinnvollsten ist.

•     Beschaffungsmacht bündeln durch Einkaufsgemeinschaften der Bundesländer — bessere Preise bei Medikamenten, Geräten und IT.

Langfristig: Finanzierung und Steuerung aus einer Hand

Mittel werden zentral gesammelt, nach sozio-demographischen Kriterien auf Gesundheitsregionen verteilt und vor Ort über regionale Gesundheitsfonds eingesetzt — Leistungen werden dort eingekauft, wo sie am sinnvollsten erbracht werden (Spital, Praxis, PVZ). Das beendet die Schnittstellenprobleme zwischen Land, Sozialversicherung und Bund. Vorbild: das niederländische Modell. Bis dahin sind die fünf Sofortmaßnahmen die Brücke zur strukturellen Lösung.

„Solange Bund, Länder und Sozialversicherung getrennt steuern, bleibt jede regionale Reform Stückwerk. Die Reformpartnerschaft Gesundheit ist die Gelegenheit, das endlich zu ändern — damit ein Modell wie unseres in Vorarlberg auch wirklich funktionieren kann."

— Johannes Gasser, Nationalratsabgeordneter NEOS

 

Wie wir zu dieser Position gekommen sind

Unsere Position basiert auf 706 Umfrageantworten (davon 227 aus dem Gesundheitsbereich), zahlreichen Gesprächen mit Ärzt:innen, Pflegekräften und Verwaltungsfachleuten, der Anfragebeantwortung der Landesregierung sowie internationalen Beispielen. Die Landesregierung hat mit dem Spitalscampus-Konzept selbst bestätigt, dass Nord-Süd die richtige Richtung ist. Was fehlt, ist der Mut, es zu Ende zu denken — und jetzt mit der Planung zu beginnen. Im Interesse der Vorarlberger:innen, nicht im Interesse bestehender Strukturen.

 

 

 

Was Vorarlberg jetzt braucht — die NEOS-Forderungen

1

Jetzt mit der Planung beginnen: Zwei Spitäler — Neubau bis 2040

Langfristig wird Vorarlberg ohnehin auf zwei Spitalsstandorte zusteuern — was fehlt, ist die politische Entscheidung. NEOS fordert: Das Nord-Süd-Prinzip konsequent zu Ende denken — zwei spezialisierte Spitäler, eines im Rheintal (Nord) und eines im Oberland (Süd), bei Bedarf ergänzt durch ein Spezialzentrum (etwa Rankweil für Psychiatrie), mit klarer Aufgabenteilung und messbaren Qualitätszielen. Für mindestens einen der beiden Standorte ist bis 2040 ein Neubau erforderlich — an einem Ort mit eigener Autobahnabfahrt und direktem Anschluss ans Bahnnetz. Die Grundsatzentscheidung muss jetzt fallen, denn jedes Jahr Verzögerung macht die Reform teurer, nicht günstiger.

 

2

PVZ flächendeckend bis 2030 — niederschwellig und aus Bundesmitteln finanziert

Die 48,8 Millionen Euro Bundesmittel für Strukturreformen (2024–2028) sind zweckgewidmet. NEOS fordert: Bis 2030 mindestens 8 neue PVZ in Vorarlberg, flächendeckend und niederschwellig erreichbar — als erste Anlaufstelle, die das Spital entlastet. Vorbild Niederlande: ein PVZ pro 2.300 Einwohner:innen — keine Wartelisten.

 

3

Bessere digitale Schnittstellen: Termin-Garantie über 1450

Wer 1450 anruft oder die App nutzt, soll sofort einen verbindlichen Termin erhalten — beim richtigen Versorger, zur richtigen Zeit. Voraussetzung: funktionierende digitale Schnittstellen zwischen Spital, PVZ und niedergelassenem Bereich (gemeinsame Patientenakte, durchgängige Terminsysteme, abgestimmte Befundübergabe). Das entlastet Notaufnahmen und verkürzt Wartezeiten ohne zusätzliche Infrastruktur.

 

4

Entbürokratisierung: KI-gestützte Dokumentation und durchgängiger Datenfluss bis 2027

40 % des Gesundheitspersonals nennt Bürokratie als Hauptbelastung. Konkret bedeutet das zweierlei — und der Patientennutzen steht im Vordergrund: erstens das automatische Diktieren und Strukturieren von Befunden, das täglich Stunden Schreibarbeit abnimmt. Zweitens ein reibungsloser Datenfluss zwischen Stationen, Abteilungen und ELGA, damit alle behandelnden Ärzt:innen das vollständige Krankheitsbild kennen. Das dänische „FlowPriority"-System zeigt: 5–7 Stunden weniger Schreibarbeit pro Woche und Ärzt:in sind realistisch. NEOS fordert: Flächendeckende Einführung in allen Vorarlberger Spitälern bis 2027.

 

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